Angesichts des Cholodomors*, wie die Ukrainer die Tatsache benennen, dass Russland Winterkälte gezielt als Waffe gegen einen unabhängigen Staat und dessen unschuldige Menschen einsetzt, wird mir die Problematik des Übertragens und Übersetzens von Texten besonders deutlich. Ich möchte die Beobachtungen und Empfindungen meiner ukrainischen Kolleg:innen für deutsche Leser sichtbar machen. Doch eine Übersetzung hat ihre Grenzen: Andere Sprachen verwenden andere Bilder und Ausdrücke, um etwas zu veranschaulichen.
Und zugleich bin nicht ich die Augenzeugin, sondern nur eine Beobachterin aus der Ferne.
* Cholodomor: Der Begriff ist in Anlehnung an die Bezeichnung Holodomor entstanden. Diese beschreibt die von Stalin bewusst herbeigeführte, schreckliche Hungerkatastrophe in den dreißiger Jahren, als der Ukraine ihre Getreidevorräte geraubt wurden. Nun, im neuen Jahrtausend, wird der Hungermord (Holod: Hunger) zum Kältemord (Cholod: Kälte).
Der Aufschrei,
von einer Andren vorgetragen,
die die Erfahrung nicht durchlitten -
wird er
wird er niedlich,
am warmen Herd gemütlich,
wird er romantisch, überzogen
von Hysterie, von Zuckerguss?
Oder
dringt er
dringt er durch,
in andren Worten, andren Bildern,
dringt er denn endlich durch,
durch Mark und Bein,
so gellend?
© CH, 28. 01. 2026

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