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Aus aktuellem Anlass. Verdichtete Worte

Kein Gedicht heute. Die Abwehr der Patriot-Systeme fehlte. Russische Raketen haben unbeschreiblichen Schaden in Kyjiw und andren Orten der Ukraine verursacht. Ich lese im Netz ein Statement des ukrainischen Alttestamentlers Dmytro Tsolin:

 

"Von neuem heute: Kyjiw … Davor schon: Dnipro, Charkiw, Sumy, Cherson … In letzter Zeit so viele Tote, so viel Zerstörung. In solchen Augenblicken steigen in wenige Worte verdichtete Gebete auf: “Herr, erbarme Dich!

 

Gewiss, da geschieht etwas mit dem Glauben. Er geht nicht verloren, aber er wird zu etwas Wesentlichen komprimiert, auf seine echten und unerschütterlichen Grundlagen zurückgeführt. Nicht umsonst erscheint dieses kurze Gebet in den Psalmen, den Evangelien, in kirchlichen Gesängen als Aufschrei aus der Tiefe des Herzens.

  

חָנֵּנִי יְהוָה

 

Κύριε ἐλέησον

 

Miserere mei, Domine.

 

 

So betest du dann, wenn du nicht weißt, was du beten sollst. Denn du hast schon tausend Gebete gebetet. Wenn du Entkräftung und Ratlosigkeit empfindest, Unverständnis und Niedergedrücktsein, aber auch weiterhin glaubst, rufst und hoffst. Denn die ewige Wahrheit muss existieren. “Herr, erbarme Dich!” "

 

 

Und einer seiner Leser antwortet: "Und möglicherweise findet sich da der reinste Glaube. Nicht der, den die Theodizee aufbaut. Sondern der, der unter einem Himmel steht, welcher schweigt. Und dennoch flüstert: “Herr, erbarme Dich!” Darum werden wir das auch weiter ausrufen. Darum werden wir es auch wiederholen. Tausendmal dieses Eine und Gleiche, denn andere Worte gibt es nicht mehr. Doch dazu schweigen können wir nicht mehr: “Herr, erbarme Dich!” "

 

Foto: Ukrainische Botschaft Berlin

 

 

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